Erfahrungsbericht Tauchen mit Handicap
>Zeitungsbericht [111 KB]
der Rheinischen Post vom 21.08.2009 Ausgabe Düsseldorf,
von Simone Goersch, über ihre Taucherfahrungen und Erlebnisse auf den Malediven<
Erfahrungsbericht von Simone G. , geboren mit einer Neuralen Muskelatrophie
Mein Krankengymnast erzählte mir von der Möglichkeit des Tauchens für Menschen mit Behinderung. Das Tauchen, so berichtete er, würde mir eine Schwerelosigkeit des Körpers geben und eine Bewegungsfreiheit schenken, die ich sonst nicht hätte. Genau das war es, was ich wollte. Außerdem war es die Chance , einen Sport mit meinen Freunden auszuführen, die kein Handicap hatten. Ich war begeistert und wollte es sofort ausprobieren.
Mein Krankengymnast und ich verabredeten einen Termin fürs Schnuppertauchen. An diesem Tag lag ich abends glückselig im Bett. Es war eine so tolle, aufregende Erfahrung gewesen, die mich nicht einschlafen lies. Ich hatte das „dahin schweben“ unter Wasser kennen gelernt.
Davon wollte ich mehr. Ich suchte mir eine Tauchschule in räumlicher Nähe. Diese hatte jedoch keine Erfahrung bezüglich Tauchen für Menschen mit Behinderung. So gab es einige unschöne Erlebnisse. Zu diesem Zeitpunkt baute gerade Peters Tauchschule in Wassenberg das Tauchen für Menschen mit Behinderung auf. Das war natürlich von Düsseldorf ein weiter Fahrweg, aber ansehen wollte ich es mir auf jeden Fall.
Der erste Tag dort hat mir gezeigt, dass ich richtig aufgehoben wäre. Bereits im Vorfeld hatten sich die Tauchlehrer (Klaus und Peter) über die Art meiner Erkrankung informiert. Es gab ein über 1-stündiges Vorgespräch, wo ich über meine bisherigen Erfahrungen und Probleme beim Tauchen berichten konnte. Des weiteren konnte ich einen kurzen Einblick in die Art des Theorieunterrichtes gewinnen. Dann ging es ins Schwimmbad. Mir wurde Hilfe für die Umkleide angeboten. Am Beckenrand des Schwimmbades lag eine dicke Gymnastikmatte. Hier konnte ich in Ruhe meinen Neoprenanzug anziehen, mein Tauchgerät zusammen bauen und problemlos ohne Stufen ins Wasser gleiten.
Meine Tauchausrüstung wurde mit der Zeit von den Tauchlehrern immer weiter optimiert. Durch die angeborene Muskelschwäche habe ich wenig Kraft in den Händen. Ich erhielt ein Kinderjacket mit leicht zu bedienendem Inflator. Zur Schwimmhilfe erhielt ich ein paar Handschuhe, die meine Hände in die eines Frosches verwandelten. Außerdem fanden wir ein paar Flossen, die mit meiner Fußverformung tragbar waren. Die klassische Flossenbewegung kann ich mit meiner Behinderung nicht durchführen. Die Flossen verhelfen mir jedoch zu einer besseren Lage im Wasser und ermöglichen mir meine ganz „eigene“ Schwimmbewegung. Wir wählten eine 7-Liter Flasche, die für meinen Rücken nicht zu schwer war und gut auf dem Beckenknochen auflag. Tauchlehrer Klaus füllte Blei in halbe Kilos ab, so dass die Bleimenge feiner abgestimmt und im Jacket verteilt werden konnte. Ein großes Problem ist für mich die Körperwärme im Wasser zu halten. So bekam ich von Anfang an einen 7 mm Neoprenanzug fürs Schwimmbad.
Mein Wunsch war es beim Tauchen so viel wie möglich selber zu machen. Das funktionierte wunderbar. Das bedeutete nur die Hilfe zu bekommen, die ich wirklich brauchte.
Ich möchte weitere Punkte erwähnen, die ich als Positiv erlebt habe:
Es gibt einen guten theoretischen Unterricht mit Powerpoint - Präsentation. Die Tauchschüler werden in den Unterricht mit einbezogen. Die Ausrüstung ist auf dem neusten Stand und wird stetig gewartet. Sicherheit wird in jeder Beziehung groß geschrieben. Jeder bekommt die Theorie- und Praxisstunden, die er braucht, auch wenn dies über die vorgesehenen Stunden hinausgeht. Somit gibt es keinen zeitlichen Stress. Dies bedeutete mir sehr viel. Ich wollte durch das Tauchen in jeder Hinsicht etwas Positives für meinen Körper erreichen. Auch wurden mir keinerlei falsche versprechen gemacht, z.B. dass ich meinen Tauchschein bis zum Urlaub habe. Das Team ( Tauchlehrer Peter, Tauchlehrer Klaus, Rollifahrer Holger, Krankengymnast Patrick, Gruppenleiterin Silke) ist fürsorglich und engagiert. Bereits heute macht man sich Gedanken, wie wir meinen ersten Freiwassertauchgang meistern.
Zum Schluss: Zum Tauchen gehören immer die richtigen Menschen. Tauchen ist ein Partnersport. Auf den Tauchpartner muss absoluter verlass sein. So bin ich froh, für mich die richtigen Menschen gefunden zu haben, auf die ich vertrauen kann.
... und der lange Fahrweg nach Wassenberg? Der ist natürlich geblieben (was schon mal nerven kann). Aber Fahrgemeinschaften und die Freude aufs Tauchen nehmen auch diese Hürde.
Ich möchte andere Menschen mit Behinderung ermutigen das Tauchen einmal auszuprobieren. Es gibt eine unglaubliche Vielfalt an Möglichkeiten durch menschliche Hilfe oder Hilfsmittel die eigenen körperlichen Einschränkungen beim Tauchen zu überwinden. Ein ausgearbeitetes Konzept fürs Handicaptauchen liegt bereits vor.
Simones erster Freiwassertauchgang
hier ein Bericht von Simone Goersch
Ein Sommermärchen (von Simone G. , Neurale Muskelatrophie)
Jedes Abenteuer ist nur eine Entscheidung von Dir entfernt (Lisz Hirn).
Ja, so fing das Tauchen für mich an und das Abenteuer sollte weiter gehen.
Am 29.06.2008 steht nicht nur Deutschland im EM-Finale. Es ist auch mein Tag
für den ersten Seetauchgang.
Der Tag ist perfekt. Die Sonne scheint. Ich fühle Vorfreude und Spannung auf
das, was mich erwartet. Meine Sache sind schnell gepackt, Badeanzug,
Handtuch, Badeschuhe usw. Was fehlt ist Sonnencreme. So was vergisst Du auch
nur beim ersten Mal.
Am Adolfosee werde ich freudig von Tauchlehrer Klaus erwartet. Er und
Tauchlehrer Peter haben mich gut auf diesen Tag vorbereitet. Mit beiden war
ich je einmal im Monte Mare tauchen, um die Tauchtiefe von 10 m anzutesten.
Kein Thema! So haben wir einfach Spaß an diesen Tagen.
Im Kompressorraum ziehe ich mich um. Hier ist es muckelig warm, wie im
beheizten Badezimmer.
In voller Tauchbekleidung trägt Peter mich die Stufen zum See hinunter. Er
hat schon Pläne für die Zukunft. Es soll eine Bank ins Wasser gebaut werden.
Dann ist es ein leichtes von dieser ins Wasser zu gleiten.
Klaus gibt kurze Anweisungen. "Lege dich mit dem Rücken aufs Wasser". Ich
versuche es. Bei Fischottern sieht es doch auch ganz relaxt aus. Klaus zieht
mir im Wasser das Jacket an. Ich bekomme meine "Froschhandschuhe". Sie
leisten mir im See gute Dienste. An alles wurde im Vorfeld gedacht. So kann
ich einfach nur "erleben". Jetzt geht es los. Wir beginnen mit dem
Abtauchen. Oh Schreck! Ich kann nichts sehen. Der Untergrund ist zu
aufgewühlt. Blindflug! Außerdem läuft mir Wasser in die Maske. Klaus zieht
mich kurz am Arm, um mir das Abtauchen zu erleichtern. Ich denke jedoch nur
wieder ans Auftauchen und so kommen wir wieder an die Wasseroberfläche. Ich
prüfe den Sitz meiner Maske und einige mich mit Klaus, dass ich nicht am Arm
gezogen werden möchte.
Zweiter Versuch . so schwer kann es doch nicht sein, sage ich mir in
Gedanken. Das haben andere auch geschafft.
Tatsächlich, nun ist es besser. Ich kann in meinem eigenen Tempo abtauchen.
Nach kurzer Zeit wird die Sicht besser. Es war nur die Einstiegsstelle, wo
der Grund aufgewühlt war. Nun kann ich den Grund sehen. Dies beruhigt mich.
Ich sehe kleine Fischschwärme. Klaus zeigt mir die noch jungen Hechte. Sie
scheinen keine Angst vor uns zu haben. An einen tauchen wir auf wenige
Zentimeter heran.
Auf dem Grund liegt ein Krokodil mit Tauchermaske. Auf den ersten Blick
erkenne ich es nicht. Es ist von Muscheln überwuchert. Ich kann es nur an
seiner Form ausmachen.
Und dann sind dort Algen, jede Menge Algen. Jeder Teichbesitzer hätte sie
verflucht. Hier sehen sie jedoch wie Unterwasserschlösser aus, erbaut aus
zarter, grüner Watte. Ein winziges rotes Tier, die Form und die Größe eines
Stecknadelkopfes, schwimmt mir entgegen. Was es wohl sein mag?
Es wird Zeit zum Auftauchen. Langsam merke ich die Kälte des Wassers. Unser
Tauchgang dauerte 15 Minuten. Ich bin zufrieden und ein klein wenig Stolz.
Hat ja ganz gut geklappt fürs erste Mal. Peter verspricht mir für die
Zukunft noch eine zusätzliche 3 mm Tauchweste und Neoprensocken, so dass ich
künftig länger abtauchen kann. Im Wasser habe ich mich frei gefühlt, frei in
meinen Bewegungen.
Nach dem Tauchgang gibt es Kekse von Peters Frau und das Angebot auf eine
heiße Schokolade.
Hier am See ticken die Uhren anders. In der Sonne sitzen, mit anderen
quatschen, den Blick aufs Wasser genießen.
Auch wenn Deutschland das Finale an diesem Tag nicht für sich entscheiden
konnte, mir ist innerlich zum Jubeln zumute. Erstens, weil Deutschland
immerhin Vizeweltmeister ist und zweitens, weil ich meinem Tauchschein
wieder ein klein wenig näher gekommen bin. Ja, ganz gewiss.
Vielen Dank an Klaus, Peter und Markus, der mich mit die Stufen nach dem
Tauchgang hochgetragen hat.
liebe Simone, danke für deinen netten Bericht
gruß
Peter









