Hier ein paar Eindrücke von Patrick Richard aus Düsseldorf
Häufig werde ich gefragt, ob das Tauchen überhaupt bei verschiedenen Behinderungen oder Krankheitsbildern möglich ist und welche Erfolge womöglich zu erreichen sind. Aus diesem Grund möchte ich hier meine Erfahrungen vom tauchen mit Menschen mit einem Handicap niederschreiben.
Zunächst ist es, denke ich, wichtig das Tauchen einmal selber auszuprobieren. Man kann nicht pauschal sagen, welche Behinderungsarten oder Krankheitsbilder positiv beeinflusst werden können. Dieses Erlebnis ist nämlich schwer zu umschreiben und wirkt sich bei vielen Menschen unterschiedlich auf Körper und Geist aus.
Durch meine Tätigkeit für die IAHD bin ich mit vielen Menschen mit den verschiedensten Handicaps getaucht und die Rückmeldungen waren durchweg positiv.
Was in erster Linie für mich auffällig ist, ist die unvergleichliche Bewegungsfreiheit die unter Wasser erfahren wird. Menschen, die an Land auf den Rollstuhl angewiesen sind, oder Mühe haben beim laufen, sind unter Wasser nicht wiederzuerkennen. Durch die Schwerelosigkeit sind komplexe Bewegungsabläufe möglich, die an Land unvorstellbar schienen. Es werden Gliedmassen so funktionell eingesetzt, dass eine Behinderung fast nicht mehr zu erkennen ist. Ich denke hierbei zum Beispiel an den Einsatz von Flossen, bei partiell querschnittsgelähmten Tauchern. Auch Bewegungsabläufe bei Spastikern laufen unter Wasser flüssiger und qualitativ besser ab und sind auch lange nach dem Tauchgang noch zu erkennen.
Was mir auch mehrfach berichtet wurde, ist der positive Einfluss des Tauchens auf die Spastik. Menschen die grosse Probleme mit der Spastik in den Beinen haben, haben während und nach dem Tauchgang weitaus weniger Beschwerden als vorher. Das ist natürlich eine nicht einzuschätzende Verbesserung der Lebensqualität.
Auch Menschen mit einer verminderten Lungenfunktion haben positive Dinge zu erzählen. Denn durch die erhöhte Konzentration auf die Atmung und den leichten Druck, mit dem die Luft beim Gerätetauchen in die Lunge gepresst wird, werden Teile der Lunge belüftet, die unter normalen Umständen nicht, oder nur unter grosser Anstrengung eingesetzt werden. So ist auch eine subjektive Verbesserung der Lungenkapazität zu vermelden. Gleichzeitig fiel dem Taucher das Atmen nach dem Tauchgang sichtlich leichter.
Neben den hier aufgeführten positiven körperlichen Effekten sind auch die geistigen Veränderungen zu sehen. Durch die Ausübung eines Sportes gemeinsam mit Menschen ohne Handicap ist Tauchen ein sehr wichtiger Integrationssport. Es ist eine Aktivität, wo alle Beteiligten in einem gewissen Masse Verantwortung füreinander übernehmen, was das Selbstbewusstsein stärkt.
Die Einschränkungen, die von behinderten Menschen an Land oft erfahren werden minimieren sich durch die Anwesenheit der Taucher in einem fremden Element im Vergleich zu nicht behinderten Menschen drastisch. Viele Taucher fühlen sich dadurch unter Wasser oft weniger behindert.
Auch weil das Tauchen ein aussergewöhnlicher Sport ist, wird vielen Menschen, zum Beispiel nach einem schweren Trauma, eine neue Lebensperspektive gegeben, da sie gezeigt bekommen, was trotz einer Behinderung alles möglich ist. Bei der IAHD ist es übrigens möglich auch als Taucher mit Handicap bis hin zum Tauchlehrer ausgebildet zu werden. Dies kann für einige Menschen, die noch nicht getaucht sind, ein Ansporn sein es auch einmal zu probieren.
Zusammenfassend kann man sagen dass das Tauchen neben den vielen positiven körperlichen Effekten, wie eine vermehrte Bewegungsfreiheit, Abnahmen der Spastik, Verbesserung der Lungenfunktion, Zunahme von Kraft, Verbesserung von Koordination und Kondition und Verbesserung von Bewegungsabläufen auch eine Vielzahl von positiven psychischen Effekten bewirken kann.
Daher kann das Tauchen auch als eine Erweiterung der Therapie angesehen werden, was auch für Rehabilitationszentren und ähnliche Institutionen interessant.
Patrick Richard, Physiotherapeut aus Düsseldorf
Patrick vielen Dank für deine Endrücke
Gruß
Peter
Sie sind hier:
Tauchen mit Handicap









